Die bislang grösste und längste Auswertung zur fokalen Therapie des Prostatakarzinoms ist in European Urology erschienen. Das Team um Alexander Light, Prof. Hashim Ahmed und Taimur Shah vom Imperial College London analysierte 3'477 Patienten aus den prospektiven britischen HEAT- und ICE-Registern, behandelt an 14 Zentren zwischen 2004 und 2024. Das Ergebnis: Zehn Jahre nach fokaler HIFU- oder Kryotherapie liegt das karzinomspezifische Überleben bei 99.9 %.
Die fokale Therapie behandelt gezielt den tumortragenden Anteil der Prostata und schont das umliegende gesunde Gewebe. Ziel ist eine Tumorkontrolle auf dem Niveau radikaler Verfahren bei deutlich geringeren Auswirkungen auf Kontinenz und Erektionsfähigkeit. Was bislang fehlte, waren belastbare Langzeitdaten über zehn Jahre. Die beiden national geführten Register HEAT (HIFU Evaluation and Assessment of Treatment) und ICE (International Cryotherapy Evaluation) schliessen diese Lücke.
Patientenkollektiv
2'897 Patienten wurden mit fokaler HIFU (Sonablate HIFU System) behandelt, 580 mit Kryotherapie. Das Behandlungsprotokoll sah bis zu zwei fokale Ablationssitzungen vor. Bemerkenswert ist das Risikoprofil: Nach der EAU-Klassifikation 2025 hatten 48 % ein günstiges intermediäres, 23 % ein ungünstiges intermediäres und 25 % ein Hochrisiko-Karzinom – nur 4.3 % waren Low-Risk-Patienten. Es handelt sich also ganz überwiegend um klinisch signifikante Tumoren, die andernfalls radikal operiert oder bestrahlt worden wären.
Die wichtigsten Ergebnisse
Frühere Analysen derselben Gruppe belegen zudem das günstige funktionelle Profil der fokalen Therapie: erektile Dysfunktion bei 5–15 % der Patienten, Vorlagenbedarf bei 1 %, rektale Toxizität bei 0.1 %.

Einordnung
Die Autoren schliessen, dass die fokale Therapie bei sorgfältig ausgewählten Patienten als Erstlinienoption gleichwertig neben den radikalen Verfahren in Betracht gezogen werden kann.
In einem begleitenden Editorial in European Urology bezeichnen Armando Stabile und Francesco Montorsi (Vita-Salute San Raffaele, Mailand) die Studie als die bislang reifsten onkologischen Daten zur fokalen Therapie und sehen darin eine Bestätigung der langfristigen Tumorkontrolle. Ihr Fazit: Die fokale Therapie habe das Stadium des Proof of Concept hinter sich gelassen; randomisierte Studien blieben zwar unverzichtbar, doch die wachsende prospektive Langzeitevidenz lasse sich nicht mehr als explorativ abtun – die fokale Therapie trage zu einem breiteren Paradigmenwechsel in der Behandlung des Prostatakarzinoms bei.
Referenz: Light A, Peters M, Gopalakrishnan A, et al. Oncological Outcomes Following Focal HIFU and Cryotherapy for Treatment of Nonmetastatic Prostate Cancer in the United Kingdom: An Updated Analysis of 3477 Patients from the Prospective HEAT and ICE Registries. Eur Urol. Published online July 2026. Doi:10.1016/j.eururo.2026.05.007 (Open Access, CC BY 4.0)
Editorial: Stabile A, Montorsi F. Focal Therapy for Localized Prostate Cancer: Maturing Evidence, Evolving Questions. Eur Urol. 2026. Doi:10.1016/j.eururo.2026.06.015
Mehr dazu in European Urology: https://www.europeanurology.com/article/S0302-2838(26)02169-X/fulltext