In European Urology Oncology ist eine explorative Analyse der Studien PROMIS und PICTURE vom Imperial College London erschienen. Untersucht wurde, welche Bedeutung Prostatakarzinom-Läsionen haben, die im MRI nicht sichtbar sind, aber gleichzeitig neben einem MRI-detektierten Herd vorliegen.
Eingeschlossen wurden 306 Patienten mit einem oder zwei suspekten Quadranten im MRI; als Referenzstandard diente die transperineale Template-Mapping-Biopsie im 5-mm-Raster. Bei 14 Prozent der Patienten fand sich neben dem MRI-detektierten Karzinom eine zusätzliche, im MRI nicht sichtbare Läsion. Diese waren durchwegs von niedrigerer Grade Group und kleiner (mediane maximale Tumorlänge 2 mm gegenüber 6 mm).
Von 127 Patienten, die allein aufgrund der MRI-gezielten Biopsie für eine fokale Therapie in Frage kamen, hätte die Untersuchung der gesamten Drüse bei 91 Prozent zu keiner Änderung des Behandlungsplans geführt; bei 8.7 Prozent wäre eine grössere Ablationszone nötig gewesen oder die Eignung entfallen. Eine ergänzende systematische Biopsie der kontralateralen Hemiglandula erfasste sämtliche dieser Fälle – rechnerisch zwölf zusätzliche Biopsien pro korrigierter Therapieplanung.
Die Autoren folgern, dass die MRI-gezielte Biopsie allein sowohl für die Detektion von Karzinomen der Grade Group 2–5 und 3–5 als auch für die Planung der fokalen Therapie bei der Mehrheit der Patienten ausreichte. An Bedeutung gewinnt dies dadurch, dass sich die urologische Praxis zunehmend auf MRI-gezielte und perilesionale Biopsien allein zubewegt.
Zugleich betonen sie den explorativen Charakter der Analyse; eine prospektive Validierung steht aus.
Die präzise Erfassung und Übertragung der MRI-sichtbaren Läsion gewinnt damit weiter an Gewicht in der Fusionsbiopsie wie in der anschliessenden Therapieplanung.
Mehr in European Urology Oncology, doi:10.1016/j.euo.2026.05.018