Der erste direkte Vergleich von Salvage-Fokaltherapie (sFT) und Salvage-radikaler Prostatektomie (sRP) bei lokalisiertem radiorekurrentem Prostatakarzinom wurde in JAMA Oncology veröffentlicht. Unter der Leitung von Alexander Light und Prof. Hashim Ahmed vom Imperial College London umfasste die internationale, multizentrische Kohortenstudie 923 Patienten aus 9 Ländern.
Patienten, deren Prostatakarzinom nach einer Strahlentherapie lokal rezidiviert, befinden sich in einer besonders schwierigen klinischen Situation. Die Salvage-radikale Prostatektomie ist zwar eine etablierte Behandlungsoption, geht jedoch aufgrund der strahlentherapiebedingten Gewebeveränderungen mit einer erheblichen Morbidität einher. Die Salvage-Fokaltherapie — einschliesslich HIFU und Kryotherapie — hat sich als vielversprechende, weniger invasive Alternative etabliert, doch bis jetzt gab es keine Studie, die ihre Langzeitergebnisse direkt mit der radikalen Chirurgie verglichen hat. Darüber hinaus waren Ergebnisse der Salvage-Fokaltherapie über 5 Jahre hinaus bislang nicht berichtet worden. Die wichtigsten Ergebnisse der Propensity-Score-gematchten Analyse sprechen deutlich für die Fokaltherapie als hochwirksame Behandlungsoption mit einem signifikant günstigeren Sicherheitsprofil:

Von den Fokaltherapie-Patienten wurden 77,6% mit HIFU und die übrigen mit Kryotherapie behandelt. In der chirurgischen Gruppe wurden 74,6% offen operiert und die übrigen roboter-assistiert.
Die Autoren kommen zum Schluss, dass die Salvage-Fokaltherapie für viele Patienten mit lokalisiertem radiorekurrentem Prostatakarzinom ein günstigeres therapeutisches Verhältnis bieten kann — mit vergleichbarer Langzeit-Tumorkontrolle bei deutlich weniger Komplikationen.
Prof. Mark Emberton, Professor für Chirurgie am University College London, Dekan der Fakultät an der UCL und Pionier der HIFU-basierten Fokaltherapie, kommentierte die Bedeutung der Publikation: «Dies ist ein äusserst wichtiger Beitrag zur Literatur, der Männern helfen wird, eine Entscheidung zu einem Zeitpunkt zu treffen, an dem die Entscheidungsfindung für den Einzelnen besonders herausfordernd ist. Hoffentlich wird dies zu einer früheren Überweisung von Männern führen, die nach einer Strahlentherapie einen steigenden PSA-Wert aufweisen.»
In einem eingeladenen Editorial, das zusammen mit der Studie in JAMA Oncology veröffentlicht wurde, unterstreichen Dr. John Nikitas und Dr. Neha Vapiwala vom Abramson Cancer Center der University of Pennsylvania die Tragweite dieser Ergebnisse. Sie betonen, dass die frühere Erkennung und verbesserte Lokalisierung von radiorekurrentem Prostatakarzinom — zusammen mit zuverlässigerer Bildgebung zum Ausschluss mikrometastatischer Erkrankungen — die Entscheidungsfindung bei der Salvage-Therapie grundlegend verändern.
Diese Publikation stellt einen bedeutenden Meilenstein für das Gebiet der Fokaltherapie dar und liefert die bislang stärkste Evidenz dafür, dass die Salvage-Fokaltherapie — insbesondere mittels HIFU — eine mit der radikalen Chirurgie vergleichbare Langzeit-Tumorkontrolle bietet und den Patienten gleichzeitig die erhebliche Morbidität einer Salvage-Prostatektomie erspart. Diese Ergebnisse haben wichtige Implikationen für die klinische Praxis und die gemeinsame Entscheidungsfindung bei Patienten mit Prostatakarzinom-Rezidiv nach Strahlentherapie.
Referenz:
Light A, Peters M, Arya M, et al. Salvage Focal Therapy vs Radical Prostatectomy for Localized Radiorecurrent Prostate Cancer. JAMA Oncol. Published online February 12, 2026. doi:10.1001/jamaoncol.2025.6448
Eingeladener Kommentar:
Nikitas J, Vapiwala N. Redefining Salvage Therapy for Localized Radiorecurrent Prostate Cancer — In More Ways Than One. JAMA Oncol. Published online February 12, 2026. doi:10.1001/jamaoncol.2025.6079
Mehr in JAMA Oncology: https://jamanetwork.com/journals/jamaoncology/article-abstract/2844900